Marabou e.V. — Amitié Haitiano-Européenne
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Aktuelles

Bericht Haiti April 2017

Von Freitag 7. April bis Donnerstag 13. April war unser Vorstandsmitglied Hugues Monice in Petit-Goâve, um die Fertigstellung der Schulmensa voranzutreiben.
 

Aktuelle Situation des Landes

Die Armut zeigt sich in der Hauptstadt durch Müllberge auf den Straßen. Überall sind Bettler. Auf der Croix des Bossales kann man kaum noch fahren, da von der sechs-spurigen Straße nur zwei Spuren befahrbar sind, auf den restlichen Fahrbahnen türmt sich der Müll. Doch es gibt auch Positives zu berichten: Port-au-Prince ist wieder sicherer geworden. Die größere Sicherheit ist spürbar. Laut Zeitungsberichten hat die Polizei viele Verbrecher hinter Gitter gebracht. Auch die sozialen Medien bekämpfen die Korruption effektiv, da durch sie die meisten Korruptionsfälle schnell öffentlich bekannt werden. So beeinflussen die sozialen Medien die allgemeine Lage in Haiti positiv.

Die Lage in Petit-Goâve ist ähnlich. Die Stadt ist zwar sicher, doch es gibt immer wieder Müllberge an der Straße und viele Bettler. Für die meisten Menschen ist das Leben seit dem Hurrikan Matthew schwieriger geworden, da lokale Produkte jetzt Mangelware sind, was zu einem starken Anstieg der Lebensmittelpreise geführt hat.

Bauarbeiten an unserer Schule

Hugues‘ Ziel war es, vor Ort dafür zu sorgen, dass die nötigen Bauarbeiten für die Fertigstellung der Schulmensa durchgeführt werden. Mit Hilfe von Mitgliedern von Marabou Haiti wurden im Vorfeld Handwerker engagiert. So konnten schon am Freitagnachmittag die Dachdecker mit der Arbeit anfangen, am Samstag kamen dann die Maurer dazu. Obwohl Osterferien waren, kamen auch einige unserer Schüler, um ihre Hilfe anzubieten.

Innerhalb von fünf Tagen konnte so die Schulmensa nutzbar gemacht werden!

Der seit langem fertige Rohbau bekam ein Dach sowie Fenster und Türen. Auch die elektrischen Leitungen wurden fertig. Letzte Woche wurden dann noch die Wände verputzt und der Betonboden gegossen.

Die Handwerker reparierten auch die von Hurrikan Matthew verursachten Schäden an den anderen Schulgebäuden: Am Toilettenhäuschen wurden neue Türen montiert und die losen Teile des Wellblechdachs des Hauptgebäudes wurden wieder befestigt.

Krönung der Woche war, dass Hugues einen Freund getroffen hat, der in der Regierung arbeitet. Dieser Freund hat beantragt, dass unsere Schule auf die Liste der Schulen gesetzt wird, die von der Regierung Essen erhalten. Wir hoffen, dass es klappt.

Neuerungen ab September 2017

Die Grundschule umfasste in Haiti bisher sechs Schuljahre und endete mit der staatlichen Prüfung "Certificat d'Études Primaires". Ab Herbst 2017 wird diese durch die neunjährige "École Fondamentale" ersetzt, d.h. dass man dann auch erst nach neun Jahren einen Schulabschluss erwerben kann.

Für unsere Schule eröffnet diese Reform die Möglichkeit, den Kindern aus armen Verhältnissen eine längere Schulausbildung zu bieten. Es wäre ideal für sie, wenn sie drei Jahre länger auf unsere Schule gehen können, denn der Besuch einer weiterführenden Schule ist für sie ein unerreichbarer Luxus. Das öffentliche Gymnasium ist zwar kostenlos, aber es gibt nur wenige Plätze.

Doch die Finanzierung der Ausgaben für die zusätzlichen drei Klassen wird schwierig.

Für die Klassen 7-9 sind folgende Fächer und Wochenstundenzahlen vorgegeben:

Fach Stunden/Woche
1 Englisch 2
2 Spanisch 2
3 Französisch 6
4 Kreolisch 2
5 Naturwissenschaften 3
6 Mathematik 6
7 Sozialwissenschaften 3
8 Berufsorientierung 2
gesamt: 26

Pro Jahr und Klasse sind das 1.040 Unterrichtsstunden, die unsere Schule zusätzlich anbieten muss. Wenn man mit einem durchschnittlichen Lehrergehalt von 150 haitianischen Gourdes pro Stunde rechnet, ergibt das für das Schuljahr 2017/18 einen Betrag von 156.000 Gourdes (ca. 3.500 €), für das Schuljahr 2018/19 von ca. 7.000 €; in den folgenden Jahren belaufen sich die zusätzlichen Kosten dann auf ca. 10.500 € jährlich. Dazu kommen die laufenden Kosten für die anderen sechs Klassen, die größtenteils von Dr. Yves Monice und den „Friends of Petit-Goâve“ aus Florida übernommen werden.

Wir hoffen, dass wir die zusätzlichen Kosten durch weitere Spendeneinnahmen aufbringen können, um den Schülern unserer Schule künftig einen neunjährigen Schulbesuch ermöglichen zu können.

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