Bericht Dezember 2020

Leider ist die politische und soziale Lage in Haiti weiterhin sehr angespannt und Unruhen auf der Straße (gewalttätige Auseinandersetzungen, Entführungen, Straßenblockaden) sind an der Tagesordnung. Die Lage wird sich wegen der 2021 stattfindenden Wahlen vorerst wohl auch nicht bessern, da auch kriminelle Gruppen im „Wahlkampf“ mitmischen.

Dazu kommt eine verheerende wirtschaftliche Situation: Ernteausfälle wegen Trockenheit, eine rasende Inflation, Strom- und Treibstoffmangel, stark steigende Lebensmittelpreise und nun auch noch ausbleibende Überweisungen von im Ausland lebenden Haitianer, die durch die Corona-Pandemie ihre Arbeitsstelle verloren haben.

 

Ein Rückblick: Schuljahr 2019/20

Das Schuljahr 2019/20 konnte in Haiti wegen der unsicheren Lage statt im September 2019 erst Mitte Januar 2020 beginnen; doch dann wurden die Schulen wegen der Corona-Pandemie von März bis Mai wieder geschlossen.

Unsere Schule hat in dieser Zeit Schüler in kleinen Gruppen in die Schule eingeladen, um Aufklärungs­arbeit zu leisten. Sie erhielten Informationen bezüglich des Corona-Virus und die Bedeutung der sozialen Distanzierung wurde ihnen erklärt. Mit der Unterstützung von Marabou e.V. wurden Stoffe und Scheren gekauft und den Kindern wurde gezeigt, wie man einfache Masken selber machen kann. In der Schule konnten sie so Stoffmasken für sich und ihre Familie anfertigen.

Foire Médicale: Januar 2020

Mit Hilfe von Dr. Gedeon von Marabou Haiti konnte im Januar 2020 eine ärztliche Untersuchung der Schulkinder durchgeführt werden. Gott sei Dank gab es keinen gravierenden Krankheitsfall. Viele Kinder waren nur schwach, da sie wegen der allgemeinen Armut in Haiti zu wenig zum Essen haben. Das Mittagessen in der Schule soll helfen, ihren Gesundheitszustand zu verbessern.

Schuljahr 2020/21

Aufgrund der monatelangen Schließung der Schulen hatte die Regierung beschloss, das Schuljahr 2019/20 bis nach den Sommerferien zu verlängern. Daher hat das Schuljahr 2020/21 auch an unserer Schule erst im Oktober begonnen, mit 133 Schülern.

Der Unterricht kann zurzeit wie gewohnt stattfinden, da Haiti von den Corona-Infektionen bisher nicht so stark betroffen ist. Die Schüler unserer Schule halten sich sehr gut an die neuen AHA-Regeln und bisher sind Schüler und Lehrer gesund geblieben.

Ein großes Problem sind aber die Auswirkungen der schlechten Versorgungslage, Dies sieht man auch an unseren Schulkindern. Viele kommen hungrig und mit blassem Gesicht in die Schule. Um etwas dagegen zu tun, haben einige Haitianer eine WhatsApp-Gruppe, genannt „Les Mécènes de Marabou“, gegründet. Die über diese Gruppe gesammelten Spenden machen es möglich, den Kindern seit Januar 2020 mehrmals pro Woche ein Mittagessen in der Schule anbieten zu können.

Zum neuen Schuljahr gab es einige Neuerungen:

  • Da die 8. und 9. Klasse nur wenige Schüler gehabt hätte, wäre es unwirtschaftlich gewesen, eigene Klassen anzubieten. Deshalb wurden diese 22 Schüler an einer anderen Schule, die „École Paul Lochard“, angemeldet. Die Kosten dafür belaufen sich auf 125.500 HTG (haitianische Gourdes) für das Schuljahr, für zwei eigene Klassen wären es ca. 400.000 HTG gewesen.
  • Mithilfe von Stephane Godot und Thomas Grabe konnten wir 28 gebrauchte Laptops und 5 Switches nach Haiti schicken. Damit wurde in der Schule ein Computerraum eingerichtet, in dem nun 6 Stunden Informatikunterricht pro Woche angeboten wird.
  • Immer samstags findet in der Schule ein Wiederaufforstungsprojekt statt, das ein Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur vermitteln soll, denn in Haiti werden Bäume zwar als Brenn- und Bauholz genutzt, aber Wald gibt es nicht mehr. Inzwischen werden sogar Mangobäume gefällt, was früher undenkbar war, da Mangos ein wichtiges Nahrungsmittel sind. Im Projekt sollen die Schüler einen anderen Umgang mit Bäumen kennenlernen.
  • In den letzten zweieinhalb Jahren konnte der Brunnen in der Schule nicht genutzt werden, da die Pumpe kaputt war. Dank einer neuen Pumpe und einem Generator aus den USA konnte der Brunnen im August wieder in Betrieb genommen werden, so dass es jetzt auf dem Schulhof fließendes Wasser gibt. Die Schüler haben gelernt, gründlich Hände zu waschen und können so besser auf Hygiene achten.

Ausblick auf 2021

Neben dem Unterhalt der „École Decilus Monice“ möchte Marabou im Herbst 2021 eine Berufsschule starten, um Jugendlichen eine Perspektive zu bieten, die nach dem Schulabschluss nicht weiter auf ein Gymnasium gehen. In der Berufsschule sollen sie, parallel zu einer handwerklichen Ausbildung, fachliche Kurse in ihrem jeweiligen Handwerk sowie+ Kurse in Wirtschaft, Informatik, Recht, Buchhaltung etc. besuchen.